Peru

Geschichte und Wertpapiere


Einführung

Die Andenrepublik Peru, mit Lima als Hauptstadt (ca. 10 Mil. Einwohner) an der Pazifikküste gelegen, ist ein Land der geographischen, klimatischen und ethnologischen Gegensätze, deren besonderen Charme man sich, nach einer Eingewöhnungsphase, nicht mehr entziehen kann. An den ca. 2.500 Km langen Küstenstreifen (bis 50 Km breit) schließen sich die Anden an, mächtige Kordillerenketten, die gemächlich in einen Ozean aus tropischem Regenwald überleiten, wo die Grenzen zu den Nachbarstaaten oft nicht klar definiert sind (Grenzkonflikte mit Ekuador). Die meisten der ca. 27 Mil. Einwohner sind indianischer Abstammung, wobei auch die Spuren von Einwanderern und Kolonisten aus allen Herren Länder im bunten Völkergemisch nicht zu übersehen sind. Amtssprache ist Spanisch, jedoch können sich auch mehrere Indianermundarten bis heute erfolgreich behaupten.

Anfänge

Das Rad, Pferde und Kanonen, die Schrift und Papier, freilich zuerst nur in Form einer Bibel, haben die Spanier auf ihren Expeditionen mitgebracht. Franzisco Pizarro, ein einfacher Mann aus Andalusien, schiffte sich in Panama mit einer Handvoll Schergen ein, Sträflinge und vom Mutterland Spanien ausgespieene die nichts mehr zu verlieren hatten, um in Richtung Süden ins Ungewisse zu segeln. In ihrer unersättlichen Gier nach Gold und mit größenwahnsinnigem Selbstverständnis löschten sie ein hochkomplexes Staatsgebilde und eine jahrtausend alte Kultur fast gänzlich aus. 1534 war die militärische Eroberung des Inca-Reiches abgeschlossen. Der letzte Inca-Fürst Atahualpa konnte nur mit Mühe seiner Verbrennung als Ketzer entgehen und erkaufte sich durch einen gigantischen Gold- und Silberschatz die Gnade eines erträglichen Todes durch die Garotte (wobei der Delinquent langsam erdrosselt wird). Im Januar 1535 erfolgte die Stadtgründung von Lima und 1542 die Eingliederung in das Vizekönigreich Neu Kastilien, das später Peru heißen sollte.

Kolonialepoche bis 1820

Das Herz der kolonialen Wirtschaft bildete die Ausbeutung von Bodenschätzen. Auch wurde die Landwirtschaft, wie der Anbau von Zuckerrohr, Baumwolle und Kartoffel gefördert. Namenlose Seelen beendeten ihr Dasein in den mörderischen Silberminen und Quecksilbergruben viel zu schnell, was die spanischen Edelleute bald zur Einfuhr von Negersklaven veranlasste. Unzählige Karavellen segelten nach Spanien, voll beladen mit Gold und Silber. Gefüttert mit neuen Ideen französischer Denker erhob sich die bürgerliche Elite ab 1810 und besiegelte den Untergang der spanischen Vorherrschaft auf dem gesamten Kontinent. Die Armeen der „Libertadores“ (Befreier), des aus Venezuela stammenden Generals Simon Bolivar und des Argentiniers General José de San Martín (Namen die man sich ruhig merken kann), fegten über die Königstreuen hinweg und läuteten bis 1825 endgültig das Zeitalter der jungen südamerikanischen Republiken ein was auch gleichbedeutend war mit dem Untergang aller spanischen Vizekönigreiche.

Erste Wertpapiere

Schon ab dem 16. Jh. kennen wir aus Peru sammelwürdige amtliche Dokumente mit teils dekorativen Steuerstempeln verschiedener Nominale oder mit Autographen der Vizekönige (sealed papers). Von der Münzprägeanstalt in Lima (erste Tätigkeit 1568) auf Privatpersonen ausgestellte Zahlungsanweisungen und Quittungen für den Ankauf von Edelmetallen (zur Ausmünzung bestimmt) sind ab 1766 bekannt. Ausgesprochen selten sind einige wenige Vorläufer für Papiergeld aus dem 18. Jh. Wertpapiere aus Perus Kolonialepoche sind dem Autor vier bekannt, eine Minenaktie von 1793 und 5%ige Staatsanleihen aus den Jahren 1815, 1819 sowie 1820, allesamt selten.

Junge Republik

Im Dezember 1820 besetzte der General José de San Martín die Hauptstadt Lima und führte Peru in einen 4 Jahre währenden Unabhängigkeitskrieg. Übrigens erkannte Spanien formal die Souveränität Perus erst 1879 an. Die monetäre Situation war zu jener Zeit unerträglich, der Staatsschatz war von der spanischen Besatzungsarmee bei Ihrer Flucht geplündert worden. Die junge Republik hing am Tropf ausländischer Gönnerstaaten. Aus jener, übrigens nur schlecht dokumentierten Epoche, kennt man einige interne Staatsanleihen, sowie solche die mit britischem Kapital finanziert wurden, welche am Sammlermarkt allesamt sehr selten sind. In diesem Zusammenhang darf ein gewisser, multi begabter, José Hipolito Unanue (1758-1833) nicht unerwähnt bleiben, erster Finanzminister der jungen Republik (begehrter Autograph auf zeitgenössischen Anleihen) und erster Ministerpräsident, dazu ernannt vom großen „Befreier“ Simon Bolivar , dessen Vertrauen er genoß. Hipolito Unanue war eigentlich Physiker, wurde dann Professor für Medizin und begründete das Museum für Anatomie. Unzählige Verdienste als Politiker und Wissenschaftler sicherten ihm die Mitgliedschaft in vielen europäischen Gesellschaften sowie sein bis heute währendes Porträt auf der ersten Seite einheimischer Geschichtsbücher, Briefmarken und Geldscheinen.

Banken

Im Jahre 1822 wurde die „Banco Auxiliar de Papel Moneda“ (Aushilfs-Papiergeld-Bank) ins Leben gerufen, das erste Finanzinstitut der Republik. Massives Mißtrauen seitens der Bevölkerung gegenüber der ersten Ausgabe von primitiv gemachtem Staatspapiergeld, das unter Entwertung litt und nicht fälschungssicher war, zwang die Verantwortlichen schon nach nur einem Jahr zur drastischen Maßnahme der öffentlichen Verbrennung von Papiergeld und zur Schließung der Bank. Peruanische Bankaktien und -anleihen mehrerer privater Finanzinstitute allerdings kennen wir erst ab den 1860ern Jahren, von denen die meisten in den USA bei der „Compania de Billetes de Banco Nueva York“ gedruckt wurden und deren Verfügbarkeit am Sammlermarkt ganz unterschiedlich ist. Genannt sei die „Banco la Providencia“, gegründet 1862 als erste private Notenemissionsbank in Peru. Erfreulicher Weise sind in jüngster Zeit dem Sammler durch die Auflösung der Archive der Druckerei „Bradbury & Wilkinson“ eine Reihe bisher unbekannter Musterdrucke interessanter Bankpapiere und Staatsanleihen zugänglich gemacht worden.

Eisenbahn

Die politische Situation der Republik war von Anbeginn an gekennzeichnet durch einen raschen Wechsel der Machthaber, davon viele unfähige Potentaten. Dennoch, Marschall Ramón Castilla, ein altgedienter Mitstreiter im Unabhängigkeitskrieg und fähiger Staatsmann (1845-1851 und 1854-1862) der sich selbst den Titel „Bürger-Präsident“ verlieh, führte anstehende Reformen durch (Abschaffung der Sklaverei und der Todesstrafe) und konsolidierte den Staatshaushalt. Er gilt als der Gründer der Börse in Lima 1861. Er ließ 1845 auch die erste Eisenbahn mit britischem Kapital auf dem gesamten südamerikanischen Kontinent bauen. Die Callao & Lima & Pacific Coast Railway Comp verband die Hauptstadt mit ihrem Hafen Callao auf ca. 7 Km Länge. Bekannt sind die Stückelungen zu einer, 5 und 10 Aktien à einem brit. Pfund (selten). Erst ab 1868 wieder kennen wir Eisenbahnpapiere (National Pisco to Yca Railway Comp). In der Folgezeit wird der Eisenbahnbau vor allem mit US-amerikanischem Kapital vorangetrieben, auch britische Firmen engagierten sich. Um die 20 verschiedene Eisenbahnpapiere sind dem Autor bekannt. Dabei spielte der geniale New Yorker Ingenieur und Unternehmer Henry Meiggs eine Vorreiterrolle, der schon 1858 mit dem Bau mehrerer Eisenbahntrassen in Chile begann und in den 1870ern in Peru die größte Herausforderung seines Lebens in Angriff nahm. Nämlich, eine Eisenbahn quer über die Anden zu bauen, die den Pazifik mit den Häfen am Amazonas verbindet. Mit Hilfe billiger chinesischer Kontraktarbeiter die er ins Land kommen ließ, wurden 32 Tunnel und unzählige Brücken erschaffen und 4800 Höhenmeter überwunden. Dem Sammlermarkt bekannt dürften die Anleihen zu 100 und 500 Soles der „Comp Nacional del Ferrocarril Mineral de Pasco“ (1872) sein, so auch die Aktie zu 100 Pfund der „Comp del Ferrocarril de La Oroya y Mineral de Pasco“ (1878), vignettenreiche amerikanische Drucke. Alle anderen Eisenbahnpapiere erachtet der Autor als selten. Eine Aktie „E-Werk und elektrische Straßenbahn, Lima“ mit belgischem Kapital kennen wir von 1911.

Guano-Bonds

Etwa um 1840 entdeckte man an den Küstengebieten und vorgelagerten Inseln den „Guano“, über jahrtausende ausgeschiedene Vogelexkremente, die im Ausland einen reißenden Absatz als Düngemittel fanden. Über 60 Jahre lang bildete der Erlös aus dem Guano-Handel mit Abstand die Haupteinnahmequelle des Staates, gefolgt von Erzen, Baumwolle und Zucker, und ab den 1890ern auch Erdöl und Kautschuk aus dem Amazonasgebiet. Während dieser Zeit verpfändete der Staat seine gesamten Guano-Vorkommen an ausländische Kapitalgeber als Garantie für die zügellos ausgegebenen Staatsanleihen (Guano-Bonds). Ab 1869 wurde mit der Abwicklung der Elsässer Juwelier Auguste Dreyfus betraut. Die Aktien seiner „Negociacion Hermanos Dreyfus, Lima“ sind sehr gesucht. Der Guano-Boom hatte mit der Erfindung des Kunstdüngers um 1880 seinen Höhepunkt überschritten, was auch den Kollaps der Unternehmung Dreyfus mit bewirkte. Bis dahin hatte Guano für Peru an den Kapitalmärkten eine schier endlose Kreditwürdigkeit erwirkt, die mit der des Paschas von Ägypten vergleichbar war. In diese Epoche gehören auch die wenigen Aktien diverser transnationaler Firmen, die mit Guano Handel trieben (genannt sei eine 6%ige Anleihe von 1880 der „Guano-Konsignationsgesellschaft für Nordamerika“) sowie Wertpapiere der großen Transport- und Handelsgesellschaften wie der „Peruvian Corporation“ (mehrere Druckmuster von „Bradbury & Wilkinson 1890-1920) oder der „Compania General del Peru“.

1879 entbrannte eine heftige kriegerische Auseinandersetzung zwischen Peru und Chile, der Salpeterkrieg, der in der militärischen Niederlage Perus, gepaart mit immensen Forderungen an Reparationszahlungen und empfindlichen Gebietsverlusten 1883 ein Ende fand. Das mit Peru verbündete Bolivien verlor für immer seinen Zugang zum Meer. Streitpunkt waren die reichen Salpetervorkommen in der Atacama-Wüste, die nun endgültig an Chile gefallen waren. Aus den folgenden Jahrzehnten wissen wir von unzähligen, teils seltenen Aktien der im Salpeterabbau tätigen Firmen.

Versicherungen

Wertpapiere von Versicherungsgesellschaften in Peru sind dem Autor nicht bekannt, jedoch Policen britischer Brand- und Maritimversicherer ab den 1860ern. Höchst eigenwillig gestaltete Versicherungsverträge einheimischer karitativer Bruderschaften, mit teils prächtigen Vignetten, welche die Themen Mitgift, Leben und Sterbeabwicklung abdecken, datieren in die Jahre 1804 bis 1845. Äußerst dekorative und auf Tierhaut gedruckte Diplomata und Ernennungstitel diverser Freimaurerlogen kennt der Autor ab 1869.

Sonstige Branchen

Minen- und Bergbau Papiere sind uns seit 1793 bekannt. Erwähnt sei ein frühes Papier der „Potosí, La Paz & Peruvian Mining Association“ um 1820. Der Silberberg bei Potosí (heute Bolivien), wo schon im 16. Jh. tausende von Sklavenarbeitern ihr Leben ließen, war so ergiebig, daß die koloniale Verwaltung dort eigens eine Münze in Betrieb nahm. Neben inländischen Minengesellschaften (lediglich 6 Goldminen-Papiere bekannt) waren und sind auch viele ausländische Minengesellschaften aus den verschiedensten Ländern vertreten.

Zu den frühen Wertpapieren zum Thema Landwirtschaft gehören Beteiligungen sowohl inländischer als auch ausländischer Kapitalgeber (Frankreich, USA) an Kautschukpflanzungen (ab 1897). Ansonsten sind alle dem Autor bekannten Landwirtschaftspapiere des 20. Jh. von einheimischen Gesellschaften begeben worden, in der Regel primitiv und schmucklos gestaltet, mit Ausnahme der hübschen Zuckerplantage Nepena von 1920. Im Zuckeranbau waren bis zur Verstaatlichung und Enteignung 1967 durch eine linksgerichtete Militärjunta viele Ausländer beteiligt. Von den Aktien der „Zuckerplantage Casa Grande“ der deutschen Familie Gildemeister kennen wir leider nur den „Erneuerungsschein, Bremen 1910“. Die dazu passende Aktie ist bisher wohl noch nicht aufgetaucht. Übrigens wäre dieses das erste dem Autor bekannte Wertpapier einer deutschen Unternehmung in Peru.

Weiter kennen wir Wertpapiere von Bau- und Terraingesellschaften ab 1905, Papiere von diversen Clubs und Vereinigungen (wie die Aktie der Gesellschaft der Pensionäre der Streitkräfte von 1939), Transport und Handel mit kanadisch-holländischem Kapitaleinsatz, sowie Radio, Fernsehen und Sport. Peruanische Wertpapiere zu den Themen Schifffahrt und Fischerei (so die Aktie der „Nationalen Gesellschaft zur Schifffahrt in den Orient“ von 1923) sowie Schwerindustrie und Maschinenbau sind dafür kaum vertreten. Bisher unbekannt sind Wertpapiere aus der Luftfahrt und Automobilindustrie (abgesehen von einer Aktie des „Touring-Automobil-Club, Peru“). Dafür kennen wir eine Aktie eines Mineralwasserherstellers von 1900, die Aktie der „Nationalen Schuhfabrik“ von 1899, die Aktie einer Porzellanbrennerei mit einer Auflage von nur 36 Stück, die Aktie der Perlenfischereigesellschaft „Sechura“ von 1902, und eine Theateraktie des „Teatro Municipal de Lima“ von 1908.

Die Überschaubarkeit der mind. 250 bekannten Papiere sowie das noch längst nicht ausgeschöpfte Potential stetiger Neuentdeckungen (ein Katalog ist bisher noch erstellt worden) gestalten das Sammelgebiet Peru als äußerst attraktiv. Anregungen, Berichtigungen und Informationen sind dem Autor willkommen.



Jurij Auslitz - Peru-Sammler

Römerstrasse 22

63450 Hanau/Main

Germany